Fuck Yeah Feminismus! Sprache und Diskurs

Veröffentlicht: 30/09/2019 in Deutsch, Sprachen
Schlagwörter:,

Mein Artikel Fuck Yeah Feminismus! „Gamer Girls“ oder auch: Tittenneid ist Scheiße! führte zu einigen Kommentaren und Diskussionen. Die Rückmeldungen zu meinem Artikel waren im Großteil konstruktiv und aufbauend, wo für ich mich herzlich Bedanken mag.
Ein Aspekt, der öfters aufkam, war die Wahrnehmung und Wirkung der Sprache.

In diesem Artikel, werde ich darlegen was meine Beweggründe für die sprachliche Gestaltung waren. Ebenso wie ein paar meiner Gedanken zu dem Themenbereich „Feminismus und Sprache“ äußern.
Einerseits weil ich die Fragen beantworten mag.
Andererseits weil ich den Aspekt der Sprache interessant finde.

Inhaltsverzeichnis

  • Einleitung / Inspiration
  • Eine Sprache, die ich unterhaltsam, angenehm und mitreißend finde
  • Eine Sprache, die dem Leser einen emotionalen Einblick gibt
  • Eine Sprache, derer ich hoffe mich halbwegs authentisch bedienen zu können
  • Ein ganz allgemeiner Hinweis zur Rechtschreibung auf diesem Blog
  • Ein Postskriptum zum Diskurs bezüglich Fake Gamer Girls

Inspiration war, wie im ursprünglichen Artikel erwähnt, ein Tweet von Judith Voght (@Arduinna). Konkret ging es um diesen Tweet und Twitter-Thread:

Twitter Thread von Judith Vogt zum Thema „Sagt Feminismus“

Der Twitter Thread enthält nach meiner Lesung und Verständnis die Aufforderung „Feminismus“ zu sagen, wenn man „Feminismus“ meint. Damit bietet man u.U. eine Angriffsziel gegenüber Personen die an diesem Begriff selbst Anstoß nehmen. Man kommuniziert jedoch offen worum es einem als Autor geht. „Gleichberechtigung“ ist dahingehend weniger kontrovers, allerdings weniger präzise und ein wenig „falsch“ da es in dem Kontext nicht um „Gleichberechtigung“ sondern eben um „Feminismus“ geht .

Daneben erwähnt Judith, in diesem Thread und weiteren, dass es ihr wichtig ist, das der Begriff des „Feminismus“ im Kontext des intersektionalem Feminismus verwendet wird.
Dies bedeutet, dass man Geschlechtsidentitäten jenseits des binären Verständnis („Es gibt nur Mann und Frau“) und Transpersonen akzeptiert und integriert.
Ferner legt der intersektionale Feminismus nahe, dass man den komplexen Kontext in dem andere Menschen existieren wahrnimmt und respektiert. Beispielsweise das ich nicht hingehe, und aus meiner Perspektive einer sehr gut verdienenden Datenbank-Administratorin, einer Frau die bei Klier als Friseurin in der Ausbildung ist, in Diskussionen das Wort nehme und sie so behandele als hätte sie meinen Hintergrund. Neben dem Aspekt der Klasse aus dem Beispiel, können weitere relevant sein.

Mit der Idee das „Fuck Yeah Feminismus“ ein cooler Titel für eine Blogreihe ist im Hinterkopf las ich den Artikel der Teilzeithelden, welcher den Twitter Thread anstieß.

Der Artikel wiederum brachte zunächst tatsächlich in mir Emotionen auf. Immerhin ist, was dort steht, stellenweise sexistisch. Weshalb ich irgendwo zwischen dem lesen und dem schlafen gehen auf den Begriff „Tittenneid“ kam, um den Aspekt zu beschreiben, dass manche Frauen anderen Frauen negative Zuschreibung aufgrund deren betonten Weiblichkeit angedeihen lassen.
Dementsprechend schlief ich, über „Fuck Yeah Feminismus“ und „Tittenneid“ sinnierend (wie Beavis und Butthead), mit dem Gedanken vielleicht einen Artikel dazu zuschreiben, ein.

Am nächsten Tag begab ich mich an die Gestaltung des Artikels.
Es ist sehr selten, dass ich in einer Überschrift Kraftausdrücke nutze, und bereits „Fuck Yeah“ ist ein farbigerer Begriff als gewohnt, geschweige den „Tittenneid“. Ich fasste Judith Tweet, die sich für eine leidenschaftliche Sprache einsetzte, als Zuspruch auf.

Ich traf die bewusste Entscheidung einen „krassen“ Titel zu schaffen und brachte mit „Scheiße“ auf den Punkt, was ich vom „Tittenneid“ halte.

Der Artikel selbst, beschloss ich, würde in einem passenden „rotzig-punkigen“ Tonfall geschrieben. So wie die Tank Girl Comics, die ich in meiner Jugend las, formuliert waren.

Eine Sprache, die ich unterhaltsam, angenehm und mitreißend finde

Texte oder Vorträge im feministischen Diskurs haben, meiner Wahrnehmung nach, die Tendenz eher ‚trocken‘ geschrieben zu sein. In Anführungszeichen, da ich mit trocken eben jenen Stil meine, den ich in diesem Beitrag pflege. Den ich in anderen Beitrag nutze.

Das lesen derlei Texte, mehr noch als Vorträge, kann ermüdend bis belanglos sein und es mag geschehen das wenig mehr zurück bleibt als ein vages Gefühl der Zustimmung oder Ablehnung. Mitunter wirken sie durch den nüchternen Stil nicht nur bar jeder Emotion, sondern belehrend um nicht zu sagen Oberlehrerhaft.

Anstelle im ruhigen Duktus einer Anita Sarkeesian sprachlich neutral meine Ansicht darzulegen, entschied ich mich dafür lauter zu sein. Wobei mir von vorne herein bewusst war, dass ich nicht Contrapoints, ich nenne es mal, kreatives Panaché, habe.

Mit dem bewusst rotzigen Stil, versuchte ich Aufmerksamkeit zu schaffen, Personen zum lesen zu bringen, und mit der Unterhaltung durch die Sprache meine Punkte zu transportieren. Was mir, nach meiner Einschätzung der Rückmeldungen, durchaus gelang.

Eine Sprache, die im Spannungsfeld zwischen vergangenen Duktus, dem Feminismus der Gegenwart und dem Groben

Die Sprache lehnt sich an das an, wie ich den „Punk“ der 80er bis 90er Jahre wahrnahm. Eine Sichtweise die allein dadurch verzerrt ist, dass ich ’80 geboren bin, und sich der Begriff in diesem Fall auf Tank Girl sowie Nina Hagen (Band) verengte.

Eine Herausforderung dabei ist, dass sich die feministische Bewegung seit den 80ern bis zum Heute hin stark wandelte. Es mag damals einen Diskurs zu Trans*Personen und der Intersektionalität sowie weiteren Themen gegeben haben, allerdings entzog sich der mir.

Demgegenüber steht, dass während der Artikel auf den ich mich bezog in einer aktuellen Ausdrucksweise geschrieben ist, jedoch aus feministischer Sicht Standpunkte vertritt die eher älteren, feministische Ansichten entsprechen. (*)

Letztlich ist mir durchaus daran gelegen, dass so sehr sich der Artikel „rotzig“ liest, den Autoren und Schaffenden nicht zu nahe zu treten.

Ist mir das alles geglückt? Teilweise ja. Teilweise, nein.
Ich bin mir recht sicher das der Lektor es verstanden hat, ich hatte keinen Kontakt mit der Autorin, und allgemein kam es ganz okay an.

(*) Es gab Ende der 90er einen kleinen aber steten Medienzirkus welcher Verona Pooth Treiben verfolgte.
Die Entertainerin war ebenso publikumswirksam mit Dieter Bohlen zusammen, wie sie sich unter großer Medien Aufmerksamkeit von ihm trennte. Sie hatte mit „Peep“ eine leidlich skandalöse Sendung in der sie über Sexualität sprach, und inszenierte sich über lange Zeit als „wunderschön aber sehr dumm“.
Dies wiederum führte zu der Aussage von Alice Schwarzer „Verona Feldbusch ist eine Ohrfeige für jede emanzipierte Frau.“ (Zeit.de „Frau gegen Frau“)
Der heutige Feminismus, würde nach meiner Einschätzung des Rahmens in dem Alice Schwarzer das Urteil setzter, diesem widersprechen. Teilweise tat es auch bereits der damalige.

Eine Sprache, die dem Leser einen emotionalen Einblick gibt

Zunächst habe ich viele Zuschriften erhalten, dass ich oder „die Autorin“ doch sehr, sehr wütend und aufgebracht gewesen sein musste, um einen derartigen Text zu verfassen. (Bild)

Tatsächlich habe ich den Text in aller Ruhe und mit einer tiefen, inneren Zufriedenheit geschrieben, an einem Ort wo ein aufgebrachtes einhacken den sozialen Normen widersprochen hätte.

Es war mir dennoch wichtig das der Leser meine Emotionen erkennt und seine hineinlegen kann.

Wenn Sachen geschrieben wird, welcher der eigenen Ideologie entgegenstehen, ist dies kein Prozess der neutral auf einen selbst oder auf andere wirkt. Fakten mögen keine Gefühle haben, wie rechte Pundits propagieren, Personen haben aber Gefühle.
Gefühle welche durch falsche Fakten, Fakten die verzerrt dargestellt werden oder faktische Meinungsäußerungen in Bewegung geraten können.

Neben rechten Pundits gibt es durchaus auch aus der linken Seite Personen die sagen „Man muss halt darüber stehen“.

Als absolute Aussage, halte ich die Feststellung jedoch falsch. Wenn ich sehe, dass auf großen Plattformen meines Erachtens eine falsche Variation meiner Ideologie geteilt wird, mag ich darauf hinweisen. Mit Nachdruck.

Daneben bleiben Texte, die man mit Emotionen liest bzw. verbindet, besser in Erinnerung. Nun, und ich mag einfach, dass sich mein Standpunkt einprägt.
(VOX: Why your shoddy memory is actually a good thing)

Eine Sprache, derer ich hoffe mich halbwegs authentisch bedienen zu können.

Sprache basiert auf der eigenen Herkunft, dem Umfeld und dessen wie man sie erlebt.
Kurz, der eigenen Klasse.

Ich persönlich komme aus einem Eifel-Dorf das 5.000 Einwohner hat, bevor ich eine Ausbildung anfing, bin ich von der Hauptschule über das 10te zum Fachabitur gelangt.

Nach der Überschrift:
„Fuck Yeah Feminismus! „Gamer Girls“ oder auch: Tittenneid ist Scheiße!“
Könnte ich versuchen in akademischer Sprache elaborieren weshalb mich die Reduzierungen von Personen mit weiblichen Attributen auf die Eigenschaften ihrer Form als Objekt intellektuell wenig stimuliert in die Diaspora entsendet und zu einer Protest-Schrift reizt.
Dies wäre aber deutlich als eine Annäherung an einen Duktus zu entlarven, der mir nicht zu eigen ist.

In einer „rotzigen“ Schreibweise fortzufahren liegt mir näher, weil ich im verbalen in eine solche abgleiten kann. Es würde mitunter, auch eher von bekannten gelesen, als ein solcher Text wie dieser hier, der mitunter eher nicht packend bis hin zu aktiv ermüdend ist.

Ich halte es dahingehend durchaus für eine allgemeine Herausforderung des Feminismus, das mitunter der Eindruck entsteht, dass man alle die keinen akademischen Hintergrund haben abhängt. Mitunter noch schlimmer, dass man sich bewusst einer akademischen Sprache bedient, welche sowohl dazu dient Laien heraus zu halten, als auch dazu Entschlüsse und Entscheidungen zu fassen, welchen den Laien von oben herab angetragen werden.

Ein ganz allgemeiner Hinweis zur Rechtschreibung auf diesem Blog

Jetzt mag sich der ein oder andere Fragen:
„Wenn du Sprache so sehr liebst, weshalb ist deine Rechtschreibung so schlecht?“

Die Antwort darauf ist, weil ich keinen Lektor habe(n möchte) und nur die Rechtschreibprüfung des Browsers nutze. Neben den Schwierigkeiten der technischen Schriftkommunikation (SciShow Psych: We Don’t Know How To Type).

Letztlich mag ich die Beschäftigung mit Sprache, aber nur bedingt die Beschäftigung mit Rechtschreibung oder Grammatik.

Ein Postskriptum zum Diskurs bezüglich Fake Gamer Girls

Es gab einige Rückfragen, was ich persönlich Aussagen wollte, es sei in dem ungewohnten Stil nicht erkenntlich:

  • Die Aufbereitung, Präsentation der Statistik gefällt mir nicht
    Es fehlen Angaben zu dem Umfang der Studie und den Rahmen-Bedingungen.
    Ebenso empfehle ich zur Interpretation der Werte einen Blick auf die verlinkte Statistik. Die Auswahl der drei Werte ist irreführend.
    Referenz zur Beurteilung und Präsentation von Statistiken:
    Crash Course: Crash Course Navigating Digital Information
    .
  • Ich widerspreche der Aussage:
    Wenn das Hauptaugenmerk allerdings auf der Optik liegt und nicht dem eigentlichen Spielgeschehen, ist unwahrscheinlich, dass man als Gamer(in) wirklich ernstgenommen wird.
    Im Kontext des Artikels ist es eine Beobachtung der Autorin und Aussage der Autorin gegenüber Gamern. Meines Erachtens ist die Feststellung das man aufgrund seiner weiblichen Optik nicht erwarten kann ernst genommen zu werden falsch und nicht feministisch.
    .
  • Ich widerspreche der Aussage:
    Noch schlimmer ist es, wenn darauf gebaut wird, sich durch bloße Weiblichkeit Vorteile zu erkaufen.
    Die These, das Frauen darauf bauen durch ihre bloße Weiblichkeit Vorteile zu erkaufen ist meines Erachtens das Gegenteil von feministisch.

Das ist eigentlich schon alles. Ich bin der Ansicht, das Feministen nicht die Optik der Frau bewerten sollten. Schon gar nicht zum abwerten der Frau.

Einen interessanten Podcast zu dem Thema findet ihr hier:
Pixeldiskurs-Podcast #157 – Tipps für Tagungen

Daneben hat Annika Lewin eine Betrachtung der Artikel-Reihe respektive Diskussion verfasst: Themenwoche: Gleichberechtigung – ein Rückblick.

Ich bin auf einen Teil bereits eingegangen.
Allgemein habe ich weder auf teylen.blog noch auf wodnews.blog Phasen wo ich das Hobby und meine Blog-Aktivitäten nicht politisch oder nicht feministisch betrachte.

Es gibt Themen, bezüglich derer meine eigene Aufklärung in sehr naher Vergangenheit liegt. Meine Meinungsäußerung in Bezug „Gamer Girls“ fundiert sich jedoch auf meiner Auseinandersetzung der „Fake Gamer Girl“ Debatte die unter anderen durch „Gamer Gate“ aufflammte. Meine Ansicht, dass man als Feminist Frauen aufgrund ihrer weiblichen Optik nicht abwerten sollte, ist eine Ansicht die sich länger prägte. Wie erwähnt, erinnere ich mich dahingehend vage das es bereits bei Verona Pooth Thema war. Ich habe danach sicherlich Höhen und Tiefen gehabt, war aber eher nicht „anti“.

Ich persönlich erhielt in letzter Zeit kein Angebot auf Teilzeithelden zu schreiben.
Lehnte es aber ab, meine Crowdfunding Kurzübersicht dort hin zu bringen oder mich in das WoD Resort zu begeben. Ich genieße die Freiheiten meines eigenes Blogs und das ich eigene Statistiken habe. Zudem habe ich Vorbehalte bezüglich des Ansatz eines „Webmagazine“-Format, der kommerziellen Aspekte und das was Freunde berichteten die Schreiber waren.

PS: Ich habe in diesem Beitrag, das generische Maskulinum verwendet.

Backlit_keyboard - User:Colin / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Backlit Keyboard – User:Colin / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s